Bestehende Biozüchtungsinitiativen sind derzeit durch chronische Unterfinanzierung geprägt. Eine Verbesserung der finanziellen Basis ist dringend erforderlich.

Innerhalb des ökologischen Saatgut- und Züchtungssektors wurde ein mehrstufiger Stakeholder-Dialog, mit dem Ziel, die Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette zu fördern, initiiert. Daraus entstand ein erstes branchenübergreifendes Konzept zum Poolfunding, welches in weiterer Folge in einem früheren Projekt des FiBL Deutschland und FiBL Schweiz auf Anfrage des BÖLW entwickelt wurde


ENGAGEMENT.BIOBREEDING EUROPE führt den Dialog über die branchenübergreifende Strategie zum Poolfunding zur Entwicklung von Rahmenbedingungen, die in verschiedenen Regionen Europas nützlich sein können, fort. Wir untersuchen verschiedene Projekte zu ökologischer Pflanzen- und Tierzüchtung. Dabei liegt der Fokus auf der Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette und wir dokumentieren die Entwicklungen dieser Initiativen, ihre Leitung, die wirtschaftliche Situation und die Auswirkungen der aus diesen Initiativen gewonnenen Sorten und Tierrassen auf den Biosektor. Diese Analyse wird zu einem besseren Verständnis von Hindernissen und Erfolgsfaktoren für branchenübergreifende Investitionen in die Biozüchtung führen. Wir werden die Ergebnisse der Analyse in Merkblättern zu den verschiedene Finanzierungsmodellen für die Biozüchtung zusammenfassen, welche in Zusammenarbeit mit den Akteur*innen der Wertschöpfungskette entwickelt werden.


Rahmenbedingungen für eine brachenübergreifende Strategie für Poolfunding

  • Integriertes Konzept für Tier- und Pflanzenzüchtung

Der hohe Bedarf an Biozüchtung besteht gleichermaßen in der Tier- und Pflanzenproduktion. Die Poolfunding-Strategie soll ein integriertes Konzept für Tier- und Pflanzenzüchtung, welches Konkurrenz zwischen den beiden Sektoren vermeidet und Kooperation fördert, ermöglichen.

  • Einbeziehung der gesamten Wertschöpfungskette

Ohne eine Beteiligung der gesamten Branche wird das Finanzierungssystem nicht die notwendige Stärke entwickeln. Eine freiwillige, spendenorientierte Abgabe ist nicht ausreichend, denn sie würde weder das notwendige Finanzvolumen, noch die Verbindlichkeit und Langfristigkeit garantieren, die es für die Biozüchtung braucht.

  • Promille des Umsatzes am Verkaufspunkt

Lizenzen auf Betriebsebene oder auf verschiedenen Produktebenen der Wertschöpfungskette führen zu Wettbewerbsverzerrungen oder unverhältnismäßigen Preiserhöhungen. Daher wird eine Pauschale von 1 bis 2 Promille auf den Umsatz an der Verkaufsstelle vorgeschlagen, um die Beteiligung der gesamten Bio-Branche sicher zu stellen.

  • Berücksichtigung und Integration von bestehenden Förderinitiativen

Das Engagement, welches viele Handelsunternehmen in der Biobranche bereits durch Spenden in die Biozüchtung zeigen, soll weiter bestehen bleiben. Die geleisteten Summen im gemeinnützigen Bereich können bei der Entrichtung der Pauschale angerechnet werden, so dass bestehende und gut funktionierende Strukturen nicht beschnitten werden. Durch die Schaffung einer Art „Transparenzstelle“ können bereits geleistete Förderbeiträge angerechnet werden (z.B. über Blockchain).

  • Transparenz und Koordination der bedarfsgerechten Vergabe von Fördermitteln

Eine unabhängige Koordinationsstelle zur Allokation, Verwaltung und Vergabe der Mittel soll installiert werden. 

  • Neue Initiativen und Züchtungsstandorte sollen gefördert werden

Mit der finanziellen Aufstockung können Nachwuchszüchter*innen und neue Züchtungsinitiativen gefördert werden, die gezielt bedarfsorientiert bislang nicht berücksichtigte Kulturen oder Tierarten züchten.

  • Enge Zusammenarbeit mit anderen privaten und öffentlichen Züchtungsorganisationen

Neue Finanzierungsquellen und Ressourcen, die noch nicht zur Verfügung gestellt wurden, können ebenfalls erschlossen werden. Insbesondere könnte durch eine Erhöhung der Zahl der Beschäftigten in den Zuchtbetrieben  mehr öffentliche Mittel bereitgestellt werden, wenn Hinweise auf eine finanzielle Beteiligung des Sektors vorliegen. Eine vermehrte Kooperation von Biozüchter*innen mit Akteur*innen aus der konventionellen Züchtung, sowohl im Tier- als auch im Pflanzenbereich, kann neue Synergien schaffen. Durch das Schmieden und Pflegen von Allianzen z.B. mit Tierschutzorganisationen, Zuchtverbänden und weiteren Züchterorganisationen, die keine für den Biosektor kritischen Züchtungsmethoden einsetzen, können bestehende Netzwerke gestärkt und fachlich erweitert werden sowie die Leistungsfähigkeit der Biozüchtung erhöht werden.

  • Bewusstseinsbildung und Kommunikation

Konsument*innen sollten über das Engagement für Biozüchtung und die zugrundeliegenden Überlegungen informiert werden. Die Verwendung einfacher Slogans wie "Wir fördern Biozüchtung" kann die Wettbewerbsfähigkeit stärken und die Erwartungen von Kund*innen an eine völlig unabhängige biologische Produktion